Ich habe diesen Bericht (aus dem Jahr 1983) gerade gefunden.:)
1983: Eine Branche am Wendepunkt
Paul Gauselmann, Vorsitzender der Abteilung Unterhaltungsautomaten im VDAI, gibt einen Überblick der Branchenprobleme und zeigt Mut für 1983.
Das Jahr 1982 war nicht nur auf dem Gebiet der Politik ein Jahr der Wende. Auch für die Automaten-Wirtschaft hat es einschneidende Veränderungen gegeben.
Erstmals - nach Jahren starken Wachstums - konnten keine oder nur minimale Zuwachsraten notiert werden.
Sicherlich hat dies mit der allgemeinen konjunkturellen Lage zu tun, aber nicht ausschließlich.
Diese Gründe waren es vor allem, die zu diesem unbefriedigenden Ergebnis geführt haben:
Die überdurchschnittlichen Investitionen der Aufsteller im TV- und Spielhallengeschäft mußten sich amortisieren.
Bei den Video-Automaten, das muß einmal ganz deutlich gesagt werden, haben uns die negativen Stellungnahmen aus verschiedenen Bereichen der Öffentlichkeit großen Schaden zugefügt. Mit diffamierenden Äußerungen - selbst absolut harmlose Comic Spiele wurden mit Begriffen wie „Killerautomat" bedacht - entstand eine für die Branche geradezu ruinöse Atmosphäre. In mühevoller Kleinarbeit konnten durch gezielte Maßnahmen auf vielen Sektoren der Öffentlichkeitsarbeit Meinungsmacher informiert, aufgeklärt und damit für unsere Aniegen gewonnen werden, bzw. neu*tral gestellt werden. Einen wesentlichen Beitrag zur Entspannung hat dabei sicherlich die „freiwillige Selbstkontrolle" des VDAI geleistet. Hier gilt es aber auch 1983, das bislang Erreichte zu sichern und weiterhin auszubauen.
Ziemliche Sorgen bereitete 1982 der Flipper-Markt. Schuld daran war einmal das ungünstige Verhältnis der DM zum Dollar, zum anderen die harte Konkurrenz des TVSpiels. An vielen Plätzen konnten die im Vergleich zu den Vorjahren erheblich teureren Flipper ihre Kosten nicht mehr einspielen. Dieser Markt wird auch 1983 noch Probleme haben. Hier ist der einzelne Aufsteller gefordert, in seiner Aufstellung die geeigneten Plätze zu finden. Denn - der Flipper ist ganz bestimmt nicht tot. Er wird auch in Zukunft sein Spielerpotential am typischen Aufstellplatz finden.
Bestürzt waren wir sicherlich alle, als in der zurückliegenden Zeit eine ganze Reihe von Kommunen die Vergnügungssteuer drastisch anhob. Diese Erhöhung hat verschiedene Aufsteller finanziell außerordentlich belastet, manche sogar in existenzgefährdende Krisen gestürzt. Hier ist die ganze Branche 1983 aufgefordert, die Probleme im politischen Raum deutlich zu machen. Wir können es ganz einfach nicht hinnehmen, daß durch willkürliche Steuererhöhungen die Arbeitsplätze und Existenzen in unserer Branche gefährdet werden.
Trotz dieser negativen Tatbestände sollten wir nicht pessimistisch in die Zukunft blicken. Es wird in erster Linie darauf ankommen, die Kosten besser in den Griff zu bekommen. Schon die nächste IMA im Januar wird zeigen, daß die Industrie überzeugende Lösungen dafür entwikkelt hat, wenn man nur an die neue Generation der Video-Automaten denkt. Neue Spielideen bei Geldspielautomaten werden auch 1983 deren Beliebtheitsskala weiter anheben. Und vergessen wir eines nicht - über 15 Millionen Bundesbürger haben im zurückliegenden Jahr an Unterhaltungsautomaten mehr oder weniger oft ihren Spaß am Spiel gehabt. Ist das nicht ein überzeugendes Votum für unsere ganze Branche?
