Jugendschutzgesetz und Videospielautomaten

  • Da es zu diesem Thema wenig gute Texte im Internet gibt, die mit direkten Quellen belegt sind, will ich hier versuchen einen kleinen Nachweis darzubieten:


    Wo sind die ganzen Videospielautomaten hin und was hat der Jugendschutz damit zu tun?


    Videospielautomaten dürfen in Deutschland seit den 80er Jahren nicht mehr dort stehen, wo Kinder und Jugendliche ohne Aufsicht Zugang zu diesen Geräten haben können. Dies ist durch Paragraph 13, Absatz 2 im Jugendschutzgesetz geregelt:



    Daraus kann entnommen werden, dass sogar das klassische Rennspiel vor der Bowlingbahn, das man heutzutage noch vereinzelt finden kann, dort nicht immer stehen darf. Mit diesen einzelnen Geräten beschäftigt man gerne die Kinder, während Papa bowlen möchte oder lockt gezielt spielbereite Familien für seine Bowlingbahn an - gesetzlich gesehen ist dies jedoch nur dann erlaubt, wenn das Spiel eine Freigabe ab 6 Jahren hat und auch mit dieser ausgeschildert ist.


    Zitat von JuSchG, §13 (1)

    Das Spielen an elektronischen Bildschirmspielgeräten ohne Gewinnmöglichkeit, die öffentlich aufgestellt sind, darf Kindern und Jugendlichen ohne Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person nur gestattet werden, wenn die Programme von der obersten Landesbehörde oder einer Organisation der freiwilligen Selbstkontrolle (...) für ihre Altersstufe freigegeben und gekennzeichnet worden sind (...).


    Diese Gesetze hatten zur Folge, dass wir fast alle Spielautomaten aus Imbisbuden, Kinos und großen Kaufhäusern verloren haben. Reine Videopielhallen gibt es in Deutschland fast keine mehr.


    Warum geht man dann nicht einfach in die Spielothek, in der Jugendlichen unter 18 Jahren der Zutritt verboten ist und spielt dort Videospiele? Ganz einfach, weil es diese dort ebenfalls fast gar nicht mehr gibt. Spielotheken oder Casinos müssen maximalen Gewinn erwirtschaften, um sich die teuren Mieten der Geldspielautomaten leisten und konkurenzfähig bleiben zu können. Videospielautomaten sind keine beliebte Option um mit Bildschirmspielgeräten Umsatz zu machen.


    Das hat mehrere Gründe:

    • Ein moderner und attraktiver Videospielautomat nimmt sehr viel Platz weg.
      Dies ist besonders dann der Fall, wenn es sich um Fahr- oder Flugzeugsimulationen handelt - anstelle einer riesigen Rennwagenkarosserie kann man oft auf gleichem Raum 2-4 Geldspielautomaten aufstellen.
    • Videospiele sind von verhältnismäßig sehr langer Spieldauer.
      Das gilt gerade dann, wenn ein erfahrener Spieler am Gerät ist. Im Gegensatz dazu kann ein Geldspielautomat innerhalb weniger Sekunden sehr viele Münzen oder sogar Scheine verschlucken und je erfahrener der Spieler, desto mehr Geld wird dabei gespielt.
    • Videospieler haben beide Hände voll zu tun.
      Oftmals benötigen sie sogar zusätzlich noch ihre Füße oder den kompletten Körper. Ein Geldspieler kann jedoch während er ein Gerät besetzt gleichzeitig bei der Bar bestellen und sein bezahltes Essen und Trinken verzehren ohne im Extremfall überhaupt den Automaten berühren zu müssen.
    • Videospiele ziehen bei Benutzung andere Kunden als Zuschauer an.
      Im Vergleich dazu kann ein einzelner Kunde 4 bis 10 Geldspielautomaten gleichzeitig bedienen. Jeder Zuschauer ist also ein Kunde, der gerade nicht an einem Automaten Geld einwirft.
    • Videospielautomaten werden von einigen Städten und Gemeinden gewerbeschädigend besteuert.
      Beispielsweise kostet das Aufstellen eines Musikautomaten in Bremen 15,00 EUR pro Monat. Ein Videospielautomat, der Gewalt gegen Menschen darstellt, dahingegen monatlich 307,00 EUR - in einigen Städten sogar bis zu 1000,00 EUR.


    Es ist also absolut kein Wunder, wieso wir unsere geliebten Automaten in der Öffentlichkeit fast gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Selbst dann, wenn der Betreiber eigentlich sehr gerne einen Arcade-Automaten präsentieren wollen würde.


    Um der ganzen Sache noch einen drauzusetzen, hier ein Zitat vom Internetauftritt der ASK (Automatenselbstkontrolle), welche sich ähnlich wie die USK und FSK mit der Bewertung von Bildschirmspielen beschäftigt - nur eben auf Automaten spezialisiert.


    Zitat von ASK, automaten-selbstkontrolle.de

    Ausgangspunkt war ein Bildschirmspiel (Lover Boy), das von einem Nicht-Verbandsmitglied auf den Markt gebracht wurde. Der Spielinhalt führte zu einer parlamentarischen Anfrage im Deutschen Bundestag. Die ASK kaufte alle im Markt befindlichen Platinen auf und vernichtete sie. Die Selbstkontrolle wurde als Dauereinrichtung gegründet.


    Dass die Automaten in Deutschland durch diese ganzen hier genannten Probleme keine wirkliche Chance mehr haben, wird sehr gut aus der sehr niedrigen Bilanz der ASK in den letzten 8 Jahren deutlich.


    Zitat von ASK, automaten-selbstkontrolle.de

    Im Zeitraum von April 2003 bis Oktober 2010 wurden in 30 z.T. ganztägigen Prüfterminen der ASK-Kommission insgesamt 184 Bildschirmspielgeräte (zumeist Spielesammlungen mit zahlreichen Spielen) bewertet.



    Spielstätten mit einer großen Anzahl an Videospielautomaten wird es mit den seit weit über 2 Jahrzenten geltenden Gesetzen wohl auch weiterhin fast gar keine in Deutschland geben. Und wenn doch, dann ohne diejenigen, denen es am meisten Spaß machen würde: den Jugendlichen.


    edit:
    Hier die Tagesschau vom 01.04.1985 zum Thema Jugendschutz
    http://www.youtube.com/watch?v=Qu8RjyeGAuc

  • Ich hab hier mal n paar Provokationen entfernt....


    StrayFire, gegen den Thread hier ist natürlich nix einzuwänden. Es war aber vieleicht wegen der Daytona Thread Sache strategisch etwas unklug den jetzt zu Posten. Gib den Leuten Zeit sich zu beruhigen.


    Zum Thema:


    Daraus kann entnommen werden, dass sogar das klassische Rennspiel vor der Bowlingbahn, das man heutzutage noch vereinzelt finden kann, dort nicht immer stehen darf. Mit diesen einzelnen Geräten beschäftigt man gerne die Kinder, während Papa bowlen möchte oder lockt gezielt spielbereite Familien für seine Bowlingbahn an - gesetzlich gesehen ist dies jedoch nur dann erlaubt, wenn das Spiel eine Freigabe ab 6 Jahren hat und auch mit dieser ausgeschildert ist.



    Die meisten Racer sind meines wissens nach für Jugendliche ab 6 Jahren geeignet. Mal abgesehen von denen wo man Leute oder Tiere überfahren kann wie zb bei Cruis`n USA.


    Ich vermute einfach mal das es mit der Kennzeichnung da noch Sonderregeln gibt.


    :):):)

  • Die meisten Racer sind meines wissens nach für Jugendliche ab 6 Jahren geeignet. Mal abgesehen von denen wo man Leute oder Tiere überfahren kann wie zb bei Cruis`n USA.


    Ich vermute einfach mal das es mit der Kennzeichnung da noch Sonderregeln gibt.


    Auf der Seite der ASK kannst du alle 184 Spiele einsehen, die seit 2003 nach den neuen Kriterien (zB mit der Freigabe ab 6 Jahren) bewertet wurden. Das lag an dem neuen Jugendschutzgesetz, das 2003 eingeführt wurde.


    Das Problem dabei ist jedoch, dass vor dem Jahre 2003 ingesamt ungefähr 1200 Spiele bewertet wurden.
    Damals gab es jedoch für Spiele, die man für Personen unter 16 Jahren zugänglich machen wollte, nur die verallgemeinerung "Jugendfrei."
    Durch das neue Gesetz 2003 war man dann mehr oder weniger gezwungen alle diese bis dahin bewerteten Spiele auf die Stufe der "Freigabe ab 12 Jahren" zu setzen.
    Demzufolge kannst du alle diese 1200 Spiele seit 2003 nicht ohne Weiteres aufstellen. Was nicht heißt, dass kein Spiel, das vor 2003 erschienen ist, nicht mitlerweile wieder als "Freigegeben ab 6 Jahren" eingestuft worden ist.


    http://automaten-selbstkontrolle.de/ask-neu.pdf
    Hier kannst du alle seit 2003 eingestuften Arcade-Spiele sehen.


    Zitat von R.Y.O

    Es war aber vieleicht wegen der Daytona Thread Sache strategisch etwas unklug den jetzt zu Posten.


    Da steckt ja viel mehr hinter! Eigentlich hatte ich mit 2 Freunden den Plan ein nostalgisches Arcade hier in Berlin zu eröffnen - einfach weil die Resonanz auf diese Idee im Freundeskreis so groß war.
    Wir mussten jedoch feststellen, dass selbst ein Geschäft, das nur aus "jugendfreien" Rennspielen bestehen würde, in die Kategorie "Spielstätte" eingeordnet werden würde. So jedenfalls unsere Beratungspartner. Dies würde dazu führen, dass wir nur Personen ab 18 Jahren den Aufenthalt im Geschäft erlauben könnten. Also nutzen dir dann auch keine 20 Racer, wenn alle 18 sind und rumballern wollen.
    Zu der Daytona-Sache kommt hinzu, dass ich es für eine Gute Idee hielt, den Besitzer davon zu überzeugen, dass das Gerät in unserer geplanten Spielhölle besser aufgehoben wäre. Dass dies eine unsportliche Sache gewesen wäre habt ihr mir ja in einem anderen Thread erklärt.


    Der Plan von der eigenen Spielhalle, wie es sie in Berlin früher doch noch ein paar mehr gab, ist seit diesem Wochenende auf Eis, seit wir vollkommen über die rechtlichen Restriktionen und hohen Auflagen aufgeklärt sind.
    Wer weiß, vielleicht würde es durch irgendwelche Lücken oder Bemühungen doch funktionieren, aber das Risiko ist es einfach nicht wert - da lohnt es sich dann doch wirklich mehr anstelle der Videospiele ein paar Glücksspielautomaten aufzustellen.

  • Man muss sich echt ab und an mal wieder ins Gedächtnis zurückrufen, welch Wahnwitz hier regiert, wenn man mal die Aufstellgebühren betrachtet, die abgedrückt werden müssen, ohne dass auch nur ein einziger Cent in der Kiste landet.


    Ich frage mich manchmal, ob man dagegen nicht vorgehen und so ne Art Petition eirteichen sollte oder so. Dass ein Area51, Lethal Enforcers oder andere blutrünstige Schlachtereien nicht in der Öffentlichkeit rumstehen und so für Kinder und Jugendliche zugänglich sein sollten, finde ich richtig. Allerdings ein 1943, R-Type oder sowas in der Richtung, sollte doch erlaubt/möglich sein. Ich kenne zumindest einen Kneipenbesitzer, der würde gerne einen oder zwei Automaten zum Daddeln aufstellen, ohne dass die Leute dafür Geld einwerfen müssen. Aber selbst das geht nicht, er hat sich erkundigt. Auch ein Ausbauen des Münzprüfers ist nicht zulässig, er könnte das Geld ja in bar von den Leuten kassieren, bevor sie spielen!!! Sach ma, sind die noch.....nun ja. Komischerweise geht das in Frankreich, Italien, Spanien,.....und sind da schon viele Leute Amok gelaufen??



    PS: Unser Laschek hier hat übrigens so ne Loverboy-Platine. Die wurde 2009 oder 2010 ausgelesen für als Mame-Dump für die Nachwelt erhalten ;)

  • Ich kenne zumindest einen Kneipenbesitzer, der würde gerne einen oder zwei Automaten zum Daddeln aufstellen, ohne dass die Leute dafür Geld einwerfen müssen. Aber selbst das geht nicht, er hat sich erkundigt. Auch ein Ausbauen des Münzprüfers ist nicht zulässig, er könnte das Geld ja in bar von den Leuten kassieren, bevor sie spielen!!!



    Darf er diese Automaten nur dann nicht aufstellen, wenn er sie zum Freeplay anbietet oder darf er sie allgemein bei sich nicht aufstellen? Denn das müsste er ja eigentlich dürfen, da sich ja eh keine Jugendlichen in seiner Kneipe aufhalten dürfen.


    Wenn es nur um die Freeplay-Sache geht, dann dürfte er ja theoretisch auch keine Musikanlage aufstellen, bei der sich die Gäste selbst die Lieder aussuchen dürfen. Muss ja nicht gleich ein Musikautomat sein, aber schon ein CD-Player, bei dem man sich die CD selbst einlegen darf, würde ja den gleichen Zweck erfüllen und müsste damit auch verboten sein. Kostenlose Unterhaltung durch eine Maschine / ein Gerät ist das ja dann auch.

  • Es geht nicht um die Kinder/Jugendlichen, sondern um die Vergnügungssteuer, quasi Standgebühr für die Geräte. Ich meine, er hätte mal was von 150€ im Monat gesagt und das sieht er halt nicht ein, weil er daraus auch keine Einnahmen hat. Und wegen der Musik gibts ja immer noch die Gema-Mafia ;)

  • die ganze geschichte is doch nur um mehr melonendreher aufzustellen . klassische unterhaltungsgeräte wie flipper , kicker , videospieler bringen doch kein geld , weder dem automatenluden noch der stadtkasse. die machen hier lieber noch einen automatensaal und kasino nach dem anderen auf und heucheln dann noch was von sie tun doch was gegen die spielsucht mit ihren ganzen nebenerscheinungen. für mich alles politabschaum und mafia übelster art. 40 000 arbeitslose ( inoffizell sicher mehr ) hier in du und wir brauchem noch viel mehr glücksspiel .. die wollen jetz so nen riesendingen direkt am " spagehettiknoten " bauen , also dem hiesigen autobahnkreuz a3-a40-a52 mit ohne ende geldspieler für die domaniapatschen . da kann man sich ausrechnen was fürn gezumpel sich da abends trifft. die nachbargemeinde ist begeistert. jeden tag werden hier tanken , spielhallen und wasweissich überfalen. was meinste wieviele solche aktionen von
    spielsüchtigen mit schulden durchgezogen werden ? dafür bauen se dann wieder paar therapyplätze und kliniken hier .. die kosten dann wieder der allgemeinheit und den kassen sehr viel geld. ich verstehe irgendwie nicht , das nicht jeden morgen tausende leute mit dem knüppel in der hand vor dem rathaus stehen .


  • Hier die Tagesschau vom 01.04.1985 zum Thema Jugendschutz
    http://www.youtube.com/watch?v=Qu8RjyeGAuc


    Toll, das kannte ich ja noch nicht!:D
    Scherz ;).Du hast zufällig meine Youtubeseite gefunden.;)

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    Ausserdem:Vanguard (im Zaccaria-Gehäuse) und Quartet (im Sega-Gehäuse).